foto-aldente.ch

Tango HT (Töggeli)
19.03.1979 - 17. August 2010
Vater: Pentagon(n) (Gon/Pandora)
Mutter: Risham Torsi (Rissaz/Susam)
Zucht: Prof. Dr. W.A. Moonen, Haras Thadia in Holland


Papa (Pentagonn; Schimmel) und Mama (Risham Torsi; Fuchs)

14. August 2010 - unsere letzten Bilder :-(

 
  
Nie mehr werden wir Dein fröhliches Wiehern hören – wir vermissen Dich so sehr, alter Junge…

Zweimal hattest Du einen richtigen Schutzengel und die Aufenthalte in der Pferdeklinik trugen Früchte, aber dieses Mal machte Dein stattliches Alter von 31 Jahren einen Strich durch die Rechnung.  :-(

Wie alles begann…

Am 19.03.1979 wurde ein kleiner Wildfang geboren.
Damals kannte ich Dich noch nicht, aber Deinen heimatlichen Stall in Sint-Michielsgestel (NL) hatten wir 1995 besucht.
Einen wunderschönen Flecken Erde und ein herzliches und nettes Züchterpaar lernten wir dort kennen.

Wir erfuhren auch, wie Du zum Namen Tango kamst – schon damals hattest Du Mühe, Deine Füsse ruhig auf den Boden zu stellen.

Deine Heimat, Haras Thadia in den Niederlanden

Als junger Hengst machtest Du Dich auf Deine erste, grosse Reise zum Gestüt "Swiss Stud Hofmühli" der Familie Eberle in Rehetobel.


Swiss Stud Hofmühli, Juni 1983 (rechts Tango) 


Was Du danach alles unternommen hattest, weiss ich leider nicht.

Im März 1988 entdeckte ich ein Inserat in der Tierwelt.
"9-jähriger Vollblutaraberwallach zu verkaufen".

Mehr aus Neugierde fuhren wir hin und entdeckten Dich, angebunden in einem ehemaligen Rinderstall, die Decke so niedrig, dass Du den Kopf nicht strecken konntest.
Du standest auf Holzpaletten und weit und breit kein Stroh in Sicht.
Aber Deine Augen verrieten etwas: "Hol mich hier raus".


Ich schreibe nun nicht, wie unser Proberitt ausfiel – meine blauen Flecken verschwanden schliesslich schnell wieder…
aber für mich war schon vorher klar – Tango kommt mit.


Am 25. März 1988 hatte ich den Kaufvertrag in den Pfoten und ein ungeduldiges Pferd stand im Transporter.
Bei Sturm, Regen und Schnee fuhrst Du in Deine zukünftige Heimat, nach Winterthur. Als wir dort ankamen und Du (ziemlich unartig) aus dem Transporter stiegst, bemerkten wir schwarze Bäche, welche sich auf Deinem Fell ausbreiteten. Anscheinend wollte Deine ehemalige Besitzerin mit Kohle Deine Apfelschimmelflecken ein bisschen intensivieren.

Dort verbrachten wir die ersten sieben gemeinsamen Jahre...
Wir konnten in dieser Zeit sehr viel lernen und von den Erfahrungen der Stallbesitzer profitieren. Du hattest einen grossen, kleinen Freund - das gefleckte Pony Chico, mit welchem Du immer wieder irgendwelchen Schabernack anstelltest. 


Zusammen lerntet Ihr die Vorteile der "Teamarbeit" kennen.
Ein Mensch braucht zwei Hände, um eine gesicherte Boxentüre zu öffnen. Bei Euch genügten zwei Mäulchen.
Während der Eine den Karabinerhaken hochzog konnte der Andere den Riegel schieben.
Und schon stand die Boxentüre offen. :-)


Die Verlockung des grünen, hohen und saftigen Gras AUSSERHALB der Weide war natürlich riesengross... und der Zaun, welcher Dich von dem saftigen Essen trennte unüberwindbar hoch.
Was macht man da? Zuerst muss die Umgebung intensiv nach möglichen Zuschauern abgesucht werden... sind keine in Sicht, legt man sich hin, robbt unter dem Zaun durch und grinst auch noch doof, wenn die Zweibeiner vor einem Rätsel stehen und die ganze Weide nach Ausbruchsmöglichkeiten absuchen.


Leider wurde danach die Zukunft des Pferdestalls unsicher. Uns gefiel das Reitgelände sehr und die Besitzerin Deines Kollegen Jasinth und ich waren überglücklich, dass wir die Bauernfamilie Scheidegger zur Pferdehaltung überreden konnten. 


1995 seid Ihr zusammen umgezogen - und seit damals konntest Du "Ferien auf dem Bauernhof mit Familienanschluss" geniessen.


Leider gab es zu dieser Zeit noch keine Digitalkamera – aber zum Glück heute Scanner.

Stallbau im Mai 1995



und eingezogen im Herbst 1995


Fast wie im Flug vergingen die 22 Jahre, welche ich und Rainer mit Dir verbringen durften und wir haben zusammen eine Menge erlebt.
Dinge, an die ich mich erinnern kann, als sei es gestern gewesen.

In den ersten Jahren hattest Du eine ganz einzigartige Abneigung gegen blaue Blümchen...
Einige Kornblumen auf Deinen Galoppwegen verursachten Deinerseits eine plötzliche Kehrtwendung und ab und zu einen unfreiwilligen "Überflug" meinerseits. :-)


Wir bestritten zusammen unzählige Postenritte, Distanzritte und Fuchsjagden. Du lerntest, dass man auch mit "ziehen" vorwärts kommt und wir genossen einige rassigen Ausfahrten auf zwei Rädern.

An einer Araberschau konntest Du Dich als Springpferd beweisen und bewältigste alle Hindernisse ohne Abwurf. Jedoch stand ich dabei nur als nervöse Zuschauerin in der Menge und drückte Däumchen.


Auf "Plakettenjagd"

 

Tja, von vergangenen Zeiten kann ich noch lange träumen - und ich könnte bestimmt ein Buch schreiben über all die witzigen Episoden, welche wir zusammen erlebt haben.

Töggeli, Du warst ein wunderbares Pferd, und auch wenn Du nicht mehr über die grossen Weiden galoppierst - in unseren Herzen hast Du immer einen Platz…


Leider kann ich mich nicht mehr bei Deinem Züchter für all die wunderbaren Stunden bedanken, welche Du uns bereitet hattest. Ein Jahr, nachdem wir Prof. Dr. W.A. Moonen in seinem Gestüt in Holland besuchten, ist er leider verstorben. Ich bin mir sicher, seine hervorragende Zucht lebt in vielen Pferden und ihren Nachkommen weiter.

Bedanken kann ich mich aber bei all den Leuten, welche Dir ein schönes Daheim gegeben haben.

Der Familie Krüsi, welche in Windeseile eine neue Boxe zimmerte, damit ich Dich heimbringen konnte, für d
as Gewöhnen an das eigenartige Gefährt mit zwei Rädern und für den Beweis, dass auch Araber springtauglich sind. :-) 

Und natürlich der Familie Scheidegger, welche in den 15 Jahren neben einer hervorragenden Pferdepension mit der Futterumstellung noch einen liebevollen Altersheimplatz für ein fast zahnloses Pferdchen bot.

Tango ich weiss, Du warst begeistert von den liebevoll zubereiteten Breilein – vorausgesetzt, es befand sich kein Pulver vom Tierarzt unter der Brühe. In einem solchen Fall liessest Du Dich nie übers Ohr hauen... und selbst für liebevoll ausgehöhlte Äpfelchen hattest Du dann nie einen Blick übrig.


15 Jahre ist es her, seit die Nägel für die ersten beiden Boxen eingeschlagen wurden – es ist fast unheimlich, wie schnell die Zeit vergeht.

Heute steht eine stattliche Herde auf dem Hof – und während der Fütterungszeit ist sie kaum zu überhören. Die Pferde, welche hier ein Plätzchen gefunden haben, können sich wirklich glücklich schätzen.
 

Bedanken möchte ich mich auch bei meinem Mann – Du warst sogar so mutig und hast Deine ersten Reitstunden auf einem Vollblutaraber hinter Dich gebracht. Wir haben wirklich viel zusammen erlebt und in schweren Zeiten – wie auch beim letzten Gang in den Stall - bist Du mir immer beigestanden.
Hmmmmm… sicher, die Araberstute mit derselben Blutlinie wie Tango, welche ich in einem Gestüt in Holland unter „verkoop“ entdeckt habe, würde mich reizen… Aber keine Sorge – ein Pferd genügt vollkommen… Naja, hoffe ich… :-) 

Unser Dank geht auch an Dr. Theo Tschanz von der Pferdeklinik Neugraben in Niederlenz. 
 Dank seiner sofortigen Untersuchung und der kompetenten - und auch für uns verständlichen - Analyse Deiner Ultraschall-Bilder wurde uns die letzte Entscheidung ein bisschen erleichtert.

Es ist sehr schwer, eine solche Massnahme zu treffen - aber eines wollten wir nicht - Dich nach so vielen, treuen Jahren leiden zu sehen. :-(


Ein liebes Dankeschön auch an alle anderen Aerzte, welche Dich in den 22 Jahren mit grösseren und kleineren Pflästerchen zusammengeflickt und damit viel zu Deinem langen Leben beigetragen haben.